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Typische Eigenschaften von Linkshändern

Wenn sie selbst Linkshänder sind, kennen sie das vielleicht, es ist nicht immer einfach, sich in einer Welt zu bewegen, die vornehmlich „Rechtshändig“ ausgelegt ist. Dabei ist es doch eigentlich erstaunlich, dass ein eigentlich so kleiner Unterschied, welche Hand ein Mensch zum Greifen, Schreiben oder Fangen benutzt, eine so große Wirkung hat. Ungefähr fünfundachtzig bis neunzig Prozent der Menschen haben eine dominante rechte Körperhälfte. Über die verbleibende Minderheit, die Linkshänder, gibt es zahlreiche Legenden und Gerüchte. Sie werden mit Kreativität und Genialität in Verbindung gebracht, aber auch negative Konnotationen werden ihnen zugeschrieben.

Im Folgenden nennen wir typische Charaktereigenschaften von Linkshändern.

Linkshänder Eigenschaften

Charaktermerkmale von Linkshändern

Linkshändern werden oft bestimmte charakterliche Merkmale zugeschrieben. Genies wie Aristoteles, Einstein oder Goethe sollen Linkshänder gewesen sein. Auch unter den Mächtigen waren und sind sie oft zu finden. So waren Winston Churchill, viele US – Präsidenten aber auch große gesellschaftliche Anführer wie Mahatma Gandhi linkshändig. Ein wissenschaftlicher Nachweis eines Zusammenhangs zwischen komplexen Eigenschaften wie charakterlichen Merkmalen und Händigkeit ist nicht einfach, dennoch gibt es Hinweise darauf, dass bestimmte Eigenschaften mit der dominanten linken Körperhälfte korrelieren.

Linkshänder sollen sich durch Phantasie und Ideenreichtum auszeichnen. Diese Eigenschaften kommen ihnen vor allem in Situationen zu Gute, die divergentes Denken einfordern. Dies sind Problemstellungen die keinen eindeutigen, schematischen Lösungsweg einfordern, sondern ungewöhnliche Ansätze notwendig machen.

Damit in Verbindung steht auch das Verhalten vieler Linkshänder, sich immer mal wieder von der Gesellschaft zurückziehen zu wollen, um sich mit Tagträumen und Vorstellungen zu beschäftigen. Bei Linkshändern ist damit eine gewisse Individualisierungstendenz festzustellen zusammen mit dem Wunsch, sich mit dem eigenen Innenleben zu beschäftigen.

Beschäftigungen mit Farben und musikalischer Kunst haben für linkshändige Menschen oft eine wichtige Bedeutung. Allgemein scheint ihre Wahrnehmung und ihr Denken stark von einer Ganzheitlichkeit, Intuition und Emotion geprägt zu sein. Rechtshändern dagegen wird meist eine stärkere Betonung auf das rationale und schematische Denken zugeschrieben.

Diese Art von Wahrnehmen und Denken hat auch Einfluss auf die Intelligenz von Linkshändern. Zwar ist die pauschale Behauptung, sie seinen intelligenter als Rechtshänder nicht haltbar, dennoch gibt es in der Ausprägung der Intelligenz Unterschiede zwischen Links- und Rechtshändern. Untersuchungen an US – amerikanischen Schulkindern konnten zeigen, dass sowohl bei den Spitzenleistern als auch bei Kindern mit Lernschwierigkeiten weit aus mehr Linkshänder vertreten waren, als bei einem Anteil von zehn Prozent an der Gesamtbevölkerung zu erwarten gewesen wären.

Sehr viele der Eigenheiten von Linkshändern werden aufgrund ihrer Minderheitsposition erklärt. Das Zurechtfinden in einer von Rechtshändern dominierten Welt erfordert zahlreiche Adaptions- und Anpassungsstrategien.

Dies wirkt sich sowohl auf die Problemlösekompetenz, als auch auf die Wahrnehmung und das Denken aus. Statt mit einer Umwelt der „Eingepasstheit“ konfrontiert zu sein, stellt bereits das alltägliche Leben Linkshänder vor Hürden, die es zu überwinden gilt. Beobachtete Strategien können hier nicht funktionieren, da sie meist bei Rechtshändern beobachtet werden. Statt sich deshalb gruppenorientiert am Mehrheitsdenken und Meinen zu orientieren, müssen die Lösungen für die Probleme selbstständig entwickelt werden.

Ein Blick in das Gehirn

Die charakterlichen Merkmale der Linkshänder liegen aber auch im Gehirn begründet.

  • Hier wird durch den neuronalen Aufbau die dominante Körperhälfte festgelegt. Grob betrachtet, besteht das Gehirn aus zwei miteinander durch ein dichtes Nervennetz, dem sogenannten Corpus callosum, verbundenen Hemisphären, die spiegelbildlich aufgebaut sind.
  • Obwohl sich die beiden Hirnhälften weitgehend gleichen, gibt es im Feinaufbau durchaus Unterschiede. Einer dieser betrifft die Verbindung zwischen den Gehirnhälften selbst. Diese ist bei Linkshändern stärker ausgeprägt, die Hälften sind durch mehr Nervenbahnen vernetzt als bei Rechtshändern. Dies wirkt sich vor allem bei Tätigkeiten aus, die ein Zusammenspiel bei beiden Regionen erfordern.
  • Doch dies sind nicht die einzigen Unterschiede im Feinaufbau des Gehirns in Abhängigkeit von der ausgeprägten Körperhälfte. In Gehirnen von Linkshändern finden die mit Entscheidungs- und Handlungsmotivationen in Zusammenhang stehenden neuronalen Aktivitäten vornehmlich in der rechten Gehirnhälfte statt, wohin gegen dies bei Rechtshändern genau umgekehrt der Fall ist.
  • Dies wird dann vor allem wichtig, wenn bei der neuronalen Behandlung von Angst- oder Motivationsstörungen mit elektrischer Stimulation des Gehirns bearbeitet wird. Bei dieser Behandlungsmethode werden gezielt Gehirnbereiche von Außen stimuliert, um ihre Aktivität zu erhöhen. Diese angeregten Bereiche finden sich in der konventionellen Therapie auf der linken Seite, doch diese ist bei Linkshändern in diesem Falle bereits überaktiv und verstärkt die Angst.
  • Zusätzliche Anregung droht hier genau den gegenteiligen Effekt einer gelungenen Behandlung zu bewirken und das Problem noch zu verschlimmern. Neben dieser umgekehrten Anordnung einiger funktioneller Gehirnbereiche ist die natürliche räumliche Bewertungsorientierung bei Linkshändern im Vergleich zu Rechtshändern ebenfalls anders organisiert.

Die an eine Mehrheitsgesellschaft angepasste Sprache ordnet der linken Seite meist negative Aspekte zu, während die rechte Seite positiv bewertet ist. Es gibt den „rechten Weg“, einen „aufrechten Menschen“ oder sogar den Rechtsstaat. Hingegen erlebt jemand gerade einen unangenehmen Tag, wenn er mit dem „linken Fuß zuerst“ aufgestanden ist oder verhält sich besonders ungeschickt, wenn er „zwei linke Hände“ hat. Dieses räumliche Bewertungsschema verläuft bei Linkshändern umgekehrt ab, hier werden die positiven Aspekte mehr mit der linken Seite assoziiert.

Sind Linkshänder allgemein im Vor- oder Nachteil?

Die Besonderheiten von Linkshändern sind mit Vor- und Nachteilen verbunden.

Neben den Vorteilen die durch Kreativität, ganzheitliche Wahrnehmung und divergentes Denken entstehen, haben Linkshänder zum Beispiel auch in Sportarten einen Vorteil, in denen sich die Kontrahenten interaktiv gegenüberstehen. Dies können Sportarten wie Boxen, Fechten oder Tennis sein. Hier können Linkshänder den Überraschungseffekt für sich nutzen, da die meisten ihrer Gegner mit Rechtshändern trainieren und es gewohnt sind, auch gegen diese Anzutreten.

Nachteile von Linkshänder ergeben sich vor allem im Kontext von Werkzeugen und Apparaturen. Viele Werkzeuge, wie z.B. Scheren sind für rechtshändige Bedienung gedacht, auf Computerbedienelemente (wie eine PC Maus) oder viele Musikinstrumente (wie Gitarren) trifft dies ebenfalls zu. Allgemein gibt es bei allen asymmetrischen Nutzgegenständen wie Korkenziehern, Geldbörsen und sogar Armbanduhren Einschränkungen oder Unbequemlichkeiten, da diese meist für Rechtshänder und ihre Bedürfnisse konstruiert wurden.

Ein Ausweg schaffen Linkshänderläden, deren spezielles Sortiment auf die Bedürfnisse von Linkshändern ausgelegt sind. Zuletzt vielleicht aber die erfreulichste Tatsache für Linkshänder: Ihre behauptete verminderte Lebenserwartung gegenüber Rechtshändern lässt sich wissenschaftlich nicht bestätigen. Zwar kann statistisch tatsächlich ein Zusammenhang zwischen geringerer Lebenserwartung und Linkshändigkeit ermittelt werden, doch da diese Daten, vor allem jene aus früheren Jahren, den Teil der früher umgeschulten Linkshänder nicht beinhalten, ist das Ergebnis verfälscht und zeigt keine tatsächliche Verbindung zwischen Linkshändern und einem früheren Tod auf.


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