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Linkshänder und schreiben lernen

Zwischen zehn und fünfzehn Prozent aller Deutschen sind Linkshänder. Manche Kinder sind von Geburt an linkshändig, bei anderen entwickelt sich dies im Vorschulalter. Man geht davon aus, dass diese Besonderheit vererbt wird. In der Schule müssen Linkshänder lernen, mit der Dominanz der linken Hand zurecht zu kommen.

Im Folgenden stellen wir Tipps vor, damit das Schreibenlernen für Linkshänder gelingt und was dabei zu beachten ist.

Linkshänder und Schreiben

Herausforderungen für Linkshänder beim Schreiben

Für Eltern, Erzieher und Lehrer ist es wichtig, so früh wie möglich zu erkennen, dass ein Kind Linkshänder ist. Denn insbesondere beim Schreiben haben es Linkshänder schwerer als Rechtshänder.

  • So wird das bereits Geschriebene von der Hand überdeckt und gegebenenfalls verwischt. Insbesondere bei Tinte, die in der Grundschule primär zum Schreiben genutzt wird, ist das Verwischen ein Problem.
  • Viele Kinder nehmen dadurch unbewusst eine Haltung ein, bei der die Hand wie ein Haken um die geschriebene Zeile herum greift. Dadurch kann es zu schmerzhaften Verspannungen kommen.
  • Des Weiteren müssen Linkshänder beim Schreiben die Buchstaben in die Schreibrichtung schieben, Rechtshänder können diese ziehen. Letzeres ist von Natur aus einfacher.
  • Bei Schreibblöcken kann zudem die Spirale als störend empfunden werden. Deshalb brauchen betroffene Kinder mehr Unterstützung beim Schreiben lernen.

Sie müssen eine besondere Schreibhaltung erlernen, damit ihnen das Schreiben keine Schwierigkeiten bereitet. Hier ist sowohl die Hilfe der Eltern als auch der Deutschlehrer gefragt.

Wie Linkshänder schreiben lernen

Das Schreibenlernen können Sie unter beachtung der folgenden Tipps unterstützen:

Bei der richtigen Schreibhaltung für Linkshänder dient zunächst einmal die richtige Sitzposition als Basis.

  • Diese sollte aufrecht sein, mit entspannten Schultern und an der Tischkante liegende Ellenbogen.
  • Ober- und Unterschenkel sind im 90 Grad Winkel aufgestellt.
  • Wenn möglich sollte kein rechthändiges Kind links neben dem Linkshänder sitzen, da sonst beide Kinder beim Schreiben ständig aufpassen müssen, nicht mit den Ellenbogen aneinander zu stoßen. Bzw. das linkshändige Kind sollte auf der linken Seite sitzen, das rechtshändige Kind auf der rechten Seite.

Das A und O beim Schreiben lernen ist eine ergonomische Stifthaltung, bei welcher der Stift im Dreipunktgriff gehalten wird. Das bedeutet, dass das Schreibwerkzeug auf dem letzten Glied des Mittelfingers liegt und dann mit Zeigefinger und Daumen locker gehalten wird.

  • Für Schreibanfänger sind besonders dicke, dreieckige Stifte gut geeignet.
  • Zudem gibt es spezielle Füller für Linkshänder.
  • Beim Schreiben sollte das Blatt schräg und ein kleines Stück links vom Körper gelegt werden. Die Schreibhand liegt unter der Schreiblinie.

Am Anfang kann es vorkommen, dass ein Kind Buchstaben, Zahlen oder Silben verdreht oder gespiegelt schreibt. Das liegt daran, dass bei vielen Linkshändern die natürliche Schreibrichtung von rechts nach links geht. Im Normalfall lernen die Kinder aber schnell die richtige Schreibweise. Die Kinder müssen außerdem lernen, beim Schreiben nicht ihr Handgelenk, sondern die Bewegungen ihrer Finger zu nutzen. Hier können Schreibübungen helfen.

Linkshänder müssen meist erst ein wenig experimentieren, bevor sie eine angenehme Sitzposition gefunden haben. Hier liegt es an Pädagogen und Eltern, das Kind zu ermutigen, verschiedene Position auszuprobieren und nachzufragen, ob es mit der jeweiligen Haltung zurecht kommt oder diese in irgendeiner Form als unangenehm empfunden wird.

Umerziehung von Linkshändern und die Folgen

Es ist noch gar nicht lange her, dass man versucht hat, Kindern ihre Linkshändigkeit abzutrainieren. In der Schule wurden sie gezwungen, mit rechts zu schreiben. Man glaubte, in einer Welt, die von Rechtshändern geprägt sei, würde man dem Kind etwas Gutes tun. Beispiele gibt es zu genüge – so ist die Handhabung einer ganz normalen Schere für Linkshänder recht schwierig. Deshalb gibt es diese auch speziell für Rechtshänder. Probieren Sie doch einmal selbst aus, wie es ist, mit einer Schere zu schneiden, die nicht für ihre dominante Hand gedacht ist!

Durch die Umerziehung wird aber, wie man heute weiß, eine Reorganisation im Gehirn erzwungen. Dies kann eine Vielzahl unterschiedlicher Komplikationen zur Folge haben. Dazu gehören Konzentration- und Gedächtnisstörungen, mangelnde Feinmotorik und Sprachstörungen. Dies kann wiederum oft zu psychischen Problemen führen, zum Beispiel durch ein schlecht entwickeltes Selbstwertgefühl. Heutzutage ist die Umerziehung von Linkshändern in der Schule daher glücklicherweise verboten.

Wer jedoch in den 1970er Jahren aufgewachsen ist und das Schreiben mit der linken Hand aberzogen bekommen hat, kann sich von einem Psychotherapeuten dabei helfen lassen, mit den Auswirkungen zu leben. Tatsächlich gibt es sogar einige wenige Therapeuten, die sich für diese Thematik spezialisiert haben.

Eine nachträgliche Rückerziehung zum Linkshänder ist zwar grundsätzlich möglich, aber funktioniert nicht immer. Wichtig ist hierbei fachliche Beratung und Begleitung. Viele Betroffene berichten, dass ihnen die Rückschulung geholfen hat, entspannter zu schreiben. Oft ist es bis zu diesem Punkt jedoch ein langer und anstrengender Prozess, der gut überlegt sein will. Nur, wenn tatsächlich ein Leidensdruck besteht, sollte eine erneute Änderung der Schreibhand in Erwägung gezogen werden.

Das Schriftbild von Linkshändern

Linkshänder schreiben nicht nur einfach mit der anderen Hand, sie haben im Vergleich zu Rechtshändern ganz andere Bewegungsabläufe.

  • Das liegt unter anderem an der Schreibweise von rechts nach links die, wie bereits erwähnt, dazu führt, dass Sie beim Schreiben mit der linken Hand die Buchstaben drücken statt, wie beim rechtshändigen Schreiben, ziehen müssen.
  • Linkshändern wird oft nachgesagt, sie hätten häufig keine schöne Handschrift. Dies liegt daran, dass sich viele als Kind eine verkrampfte Handhaltung angewöhnt haben, die das Schreiben anstrengender macht. Falsch ist hingegen das Gerücht, dass Linkshänder eine nach links geneigte Schrift haben. Das Schriftbild an sich ist sehr vielfältig, eine typische „Linkshänder Schrift“ gibt es nicht.
  • Es gibt allerdings ein paar Merkmale, die man zwar nicht bei allen, aber dafür nahezu ausschließlich bei Linkshändern beobachten kann. Dazugehören Horizontalbewegungen, zum Beispiel beim Buchstaben „T“, die von rechts nach links verlaufen. Rechtshänder führen diese Bewegungen in Schreibrichtung, also von links nach rechts, aus.

Fazit: 3 Tipps zum Schluss

Linkshänder, die Schreiben lernen wollen, ihr Schriftbilder verbessern oder einfach nur entspannter Schreiben lernen wollen, müssen vor allem eins tun: Üben, Üben, Üben!

  1. Haben Sie ein Kind (oder betreuen Sie eines) müssen Sie hier unbedingt am Ball bleiben und geduldig sein. Linkshändige Kinder brauchen in der Regel nicht nur etwas mehr Zeit, um das Schreiben zu lernen, ihr Schreibtempo ist aus langsamer.
  2. Bei Übungsblättern steht der Buchstabe, den es zu erlernen gilt, in der Regel auf der linken Seite. Sie sollten diesen deshalb zusätzlich auf die rechte Seite schreiben, damit das Kind den Buchstaben beim Schreiben sehen kann.
  3. Nachspur- und Schwungübungen helfen dabei, eine schönere Schrift zu entwickeln. Des Weiteren gibt es Bücher mit Übungen speziell für Linkshänder.

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