Über Linkshänder kursieren viele Geschichten, von der angeblich kürzeren Lebenserwartung bis zur besonderen Kreativität. Manches stimmt, vieles ist Legende. Dieser Beitrag sammelt die spannendsten Fakten und ordnet ein, was wirklich belegt ist.
Wer linkshändig ist, hört solche Behauptungen ein Leben lang. Eine nüchterne Faktensammlung hilft, das Interessante vom Erfundenen zu trennen.
Ein eigener Feiertag am 13. August
Linkshänder haben ihren eigenen Gedenktag. Der internationale Linkshändertag wird jedes Jahr am 13. August begangen. Erfunden hat ihn der US-Amerikaner Dean Campbell, der 1976 erstmals dazu aufrief und ein Jahr zuvor die erste Vereinigung für Linkshänder gegründet hatte. Bekannt wurde der Tag international allerdings erst 1992, als ein britischer Club ihn wiederbelebte. Sein Ziel ist bis heute, auf die Bedürfnisse von Linkshändern in einer rechtshändig geprägten Welt aufmerksam zu machen.
Spiegelschrift und andere Eigenheiten
Eine verbreitete Beobachtung lautet, dass viele Linkshänder mühelos in Spiegelschrift schreiben können. Das hat einen einfachen Grund. Die natürliche Bewegungsrichtung der linken Hand verläuft von rechts nach links, also genau spiegelverkehrt zur gewohnten Schrift. Schon Leonardo da Vinci, selbst Linkshänder, füllte seine Notizbücher in Spiegelschrift. Eine feste Regel ist das nicht, aber ein hübsches Beispiel dafür, wie die Schreibrichtung mit der Händigkeit zusammenhängt.
Was die Geschichte über Händigkeit verrät
Dass Rechtshänder die Mehrheit bilden, ist kein neues Phänomen. Werkzeuge aus der Steinzeit, die über eine Million Jahre alt sind, wurden überwiegend von Rechtshändern gefertigt, wie sich an Bearbeitungsspuren ablesen lässt. Auch Höhlenmalereien liefern einen Hinweis. Die abgedruckten Hände an den Wänden sind meist linke Hände, weil die rechte zum Aufsprühen der Farbe diente. Schon damals war die rechte Hand also die aktive.
Im Lauf der Geschichte wurde Linkshändigkeit oft mit Misstrauen betrachtet. Das zeigt sich bis in die Sprache. Das lateinische Wort für links, sinister, bedeutet zugleich unheilvoll, und wer ungeschickt ist, hat im Deutschen sprichwörtlich zwei linke Hände. In einigen Kulturen gilt die linke Hand bis heute als unrein. Solche Vorbehalte erklären, warum Linkshändigkeit lange versteckt oder aberzogen wurde.
Drei Fakten zum Staunen
Einige Beobachtungen über Linkshänder bleiben auch nach nüchterner Prüfung erstaunlich.
- Im alten Rom galten Linkshänder als minderwertig und wurden teils benachteiligt, ein frühes Beispiel für die lange Geschichte der Stigmatisierung.
- In schnellen Zweikampfsportarten sind Linkshänder bis heute überdurchschnittlich erfolgreich, weil ihre Spielweise selten und damit ungewohnt ist.
- Selbst eineiige Zwillinge sind nicht immer beide linkshändig, obwohl sie dasselbe Erbgut teilen. Das zeigt, dass Händigkeit mehr ist als reine Genetik.
Warum Linkshänder im Alltag oft anecken
Viele Gegenstände sind unbemerkt für die rechte Hand gebaut. Eine normale Schere drückt die Klingen für Linkshänder auseinander, sodass das Papier nicht sauber schneidet. Ähnliches gilt für Dosenöffner, Sparschäler und Korkenzieher, deren Mechanik auf eine Drehung mit rechts ausgelegt ist. Selbst die Computermaus und viele Messer mit einseitig geschliffener Klinge benachteiligen die linke Hand. Das ist kein Naturgesetz, sondern eine Folge der Mehrheitsverhältnisse. Wo die Asymmetrie wirklich stört, schafft ein linksgeeignetes Modell Abhilfe, in vielen anderen Fällen ist es überflüssig.
Wie viele Linkshänder gibt es eigentlich?
Die kurze Antwort lautet rund jeder Zehnte. Die beste wissenschaftliche Schätzung liegt bei etwa 10,6 Prozent, je nach Definition zwischen 9 und 18 Prozent. Um 1900 wurden dagegen nur 3 bis 4 Prozent erfasst, weil damals noch fast flächendeckend umgeschult wurde. Die ganze Rechnung samt Quellen finden Sie im Beitrag dazu, wie viele Linkshänder es gibt.
Berühmte Linkshänder und hartnäckige Mythen
Viele bekannte Persönlichkeiten sind oder waren linkshändig, von Staatsoberhäuptern bis zu Musikern. Eine Auswahl stellt der Beitrag über prominente Linkshänder vor. Dass diese Menschen erfolgreich wurden, liegt aber an ihrem Talent, nicht an ihrer Händigkeit. Auch die populären Thesen, Linkshänder seien klüger, kreativer oder kurzlebiger, halten der Prüfung nicht stand. Was davon übrig bleibt, ordnet der Beitrag zu den typischen Eigenschaften von Linkshändern ein. Wer ein linkshändiges Kind beim Schreibenlernen begleitet, hilft ihm mehr mit guter Ausstattung als mit gut gemeinten Legenden.


