Violine für Linkshänder: Geigen-Sonderanfertigungen

Warum bei der Violine fast alle konventionell spielen, wann eine linkshändige Sonderanfertigung überhaupt infrage kommt und worauf es beim Kauf ankommt.

Empfehlungen im Überblick

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Warum die Violine für das Linksspiel neu gebaut werden müsste

Die Violine ist im Inneren nicht symmetrisch. Unter der Decke sitzt der Bassbalken, ein Leistchen, das unter der tiefsten Saite verläuft und die Schwingungen verteilt. Ihm gegenüber, unter der höchsten Saite, steht der Stimmstock, ein kleines Holzstäbchen zwischen Decke und Boden. Auch der Steg ist an die vorgegebene Saitenlage angepasst. Diese Bauteile sitzen fest an ihren Positionen und bestimmen den Klang.

Eine Geige lässt sich deshalb nicht einfach auf der anderen Schulter spielen. Würde man die Saiten umgekehrt aufziehen, lägen Bassbalken und Stimmstock auf der falschen Seite, und die Druckverhältnisse an der Decke stimmten nicht mehr. Für ein echtes Linksspiel müsste das Instrument mit gespiegeltem Bassbalken, Stimmstock und Steg neu gebaut werden. Solche Sonderanfertigungen gibt es, sie sind aber selten und teuer.

Wann eine Linkshänder-Geige sinnvoll ist, und wann nicht

Vom Linksspiel wird bei der Violine meist abgeraten, und das aus gutem Grund. Im Orchester und in jedem Ensemble ist die Bogenführung einheitlich. Alle streichen in dieselbe Richtung. Ein Linkshänder mit gespiegelter Haltung führt den Bogen genau entgegengesetzt und stößt mit dem Nachbarn zusammen. Schon deshalb spielt ganz überwiegend auch, wer links ist, konventionell.

Hinzu kommt die Frage nach dem tatsächlichen Vorteil. Beim Geigenspiel übernehmen beide Hände von Anfang an ungewohnte Aufgaben. Die Greifhand lernt eine völlig neue Feinmotorik, die Bogenhand eine ebenso neue Führung. Die Ausgangslage ist für beide Hände ungewohnt, sodass die Händigkeit weniger stark durchschlägt als etwa bei der Gitarre. Wie stark eine Seite bei Ihnen dominiert, lässt sich über die Händigkeit einordnen.

Eine linkshändige Sonderanfertigung kommt daher am ehesten für erfahrene Spieler infrage, die ausschließlich für sich musizieren und einen triftigen Grund haben, etwa eine Einschränkung der rechten Hand. Für Einsteiger und für alle, die mit anderen zusammenspielen möchten, ist die konventionelle Geige die klar sinnvollere Wahl. Sie hält alle Anleitungen, Lehrer und Leihinstrumente offen.

Worauf Sie beim Kauf achten

Wählen Sie die richtige Größe. Erwachsene und größere Jugendliche spielen die volle Größe 4/4, für Kinder gibt es abgestufte Bruchgrößen wie 3/4 oder 1/2. Für den Einstieg ist ein Set aus Geige, Bogen und Koffer praktisch, weil es sofort spielbereit ist. Achten Sie auf eine ordentlich eingestellte Saitenlage, denn eine zu hohe erschwert das Greifen erheblich.

Zur Grundausstattung gehören Kolophonium für den Bogen und je nach Körperbau eine Schulterstütze, die Schulter und Hals entlastet. Wenn Sie dennoch mit dem Gedanken an eine Linkshänder-Geige spielen, holen Sie sich vorher den Rat einer Geigenbauerin oder Ihrer Lehrkraft ein. Eine Sonderanfertigung ist eine langfristige Festlegung und sollte gut überlegt sein.

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Bei anderen Instrumenten fällt die Antwort anders aus. Die Gitarre für Linkshänder gibt es als sinnvolle gespiegelte Version, während die Flöte für Linkshänder gar keine Sonderform braucht. Einen Überblick über alle Instrumente gibt der Musikinstrumente-Hub.

Häufige Fragen

Sollten Linkshänder die Violine gespiegelt spielen?
Meist wird davon abgeraten. Im Orchester ist die Bogenführung einheitlich, und ein spiegelverkehrt geführter Bogen kollidiert mit dem Nachbarn. Ganz überwiegend spielen deshalb auch Linkshänder konventionell.
Kann man eine normale Geige einfach umgekehrt spielen?
Nein. Eine Violine ist im Inneren asymmetrisch gebaut. Bassbalken und Stimmstock sitzen fest an bestimmten Positionen unter den Saiten. Für das Linksspiel müsste das Instrument mit gespiegeltem Bassbalken, Stimmstock und Steg neu gebaut werden.
Für wen kommt eine Linkshänder-Violine überhaupt infrage?
Am ehesten für erfahrene Spieler, die ausschließlich für sich musizieren und einen triftigen Grund haben. Für Einsteiger und alle, die im Ensemble oder Orchester spielen möchten, ist die konventionelle Geige die klar sinnvollere Wahl.
Ist konventionelles Spielen für Linkshänder ein Nachteil?
Kaum. Beide Hände übernehmen beim Geigenspiel von Anfang an neue, ungewohnte Aufgaben. Die Greifhand lernt das Greifen ohnehin neu, sodass die Händigkeit weniger ins Gewicht fällt als oft vermutet.