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Beidhänder: Definition, Ursachen, Vor- und Nachteile & Tipps

Neben Links- und Rechtshändern gibt es die Gruppe der Beidhänder. Diese Gruppe zeichnet sich dadurch aus, dass der Unterschied zwischen dominanter und unterstützender Hand vergleichsweise gering ist. Ein Beidhänder kann die meisten Tätigkeiten mit beiden Händen ausführen.

Das bringt allerdings nicht nur Vorteile mit sich. Doch das lesen Sie am besten einfach selbst.

Beidhändigkeit

Definition: Händigkeit

Generell meint Händigkeit das bevorzugte Verwenden einer bestimmten Hand. Bei den meisten Tätigkeiten agiert eine Hand führend und die andere eher unterstützend sowie stabilisierend. Die führende Hand wird als die dominante Hand bezeichnet. Sie wird zudem auch bei feinmotorischen Tätigkeiten verwendet.

  • Das Zusammenspiel von einer Hand als führend und der anderen als unterstützend spielen im Hinblick auf die Bestimmung der Beidhändigkeit als unterschiedliche Faktoren eine große Rolle.
  • In Europa beträgt der Anteil der Linkshänder laut der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin etwa 10 bis 15 Prozent – lesen Sie hier weitere Fakten über Linkshänder.

Die Beidhändigkeit – eine Frage des Grades

Von Beidhändigkeit (Ambidextrie) wird gesprochen, wenn beide Hände in sehr hohem Maße gleichwertig genutzt werden können bzw. genutzt werden. Genau genommen gibt es allerdings keine oder zumindest kaum Beidhändigkeit in dem Sinne, wie es Rechts- und Linkshändigkeit gibt.

Die Beidhändigkeit beschreibt eher den verhältnismäßig gering ausgeprägten Unterschied von dominanter und unterstützender Hand. Das bedeutet, dass Beidhänder in Bezug auf sehr viele Tätigkeiten tatsächlich beide Hände gleich gut benutzen können. Die dominante und die unterstützende Funktion bei einer Tätigkeit können also in hohem Maße nach Belieben vertauscht werden.

  • Dabei handelt es sich jedoch tatsächlich nur um einen graduellen Unterschied zu Rechts- oder Linkshändern. Je mehr Komplexität und Feinmotorik eine Handlung erfordert, desto mehr wird eine bestimmte Hand bevorzugt.
  • Das heißt, die allermeisten Beidhänder sind im Grunde Rechts- oder Linkshänder, bei denen der Unterschied von dominanter und nicht dominanter Hand geringer ist, als bei den meisten Menschen aus diesen Gruppen. Jedoch muss man sich bei manchen Tätigkeiten auf eine Hand festlegen, beispielsweise beim Golfen.
  • Es gibt allerdings keine feste Definition, ab wann jemand nun als Beidhänder gilt oder nicht. Das macht es praktisch unmöglich, die Zahl der Beidhänder in der Bevölkerung zu schätzen.

Die Ursachen der (Beid)Händigkeit

Allgemein ist es nicht restlos geklärt, was die Ursachen für die Händigkeit, also für das Bevorzugen einer Hand, sind. Klar ist jedoch, dass sowohl die Gene als auch die Umwelt einen Einfluss darauf haben. Das Phänomen der Beidhänder kommt oft dadurch zustande, dass Umwelteinflüsse die angeborene Händigkeit verändern. Wobei der Grad der Bevorzugung, der angeboren ist, auch sehr stark variieren kann.

Dennoch sind Beidhänder häufig Linkshänder, bei denen der Unterschied zwischen den Händen durch die Zwangsbenutzung der eigentlich unterstützenden als dominante Hand entsprechend geringer ist. Aber auch eine Schwächung der eigentlich dominanten Hand durch lokale feinmotorische Störungen oder Ähnliches kann zu vermehrter Beidhändigkeit führen.

Auswirkungen der Beidhändigkeit: Gibt es Vor- oder Nachteile?

Auch wenn man es zunächst vermuten würde, ergeben sich aus einer Beidhändigkeit nicht nur Vorteile. Vor allem das Gehirn muss sich auf den Spagat einlassen und das hat auch Nachteile.

Theoretisch ist es von Vorteil, wenn beide Hände in sehr vielen Fällen beide Aufgaben, die führende und die unterstützende, übernehmen können.

  • Daraus kann ein höherer Grad an Flexibilität, Freiheit, Vielfältigkeit und vielleicht sogar an Geschicklichkeit resultieren.
  • Auch bei Tätigkeiten, bei denen beide Hände gleichermaßen stark beansprucht werden, können Beidhänder Vorteile genießen.

Tatsächlich aber führt die Beidhändigkeit in der Praxis häufig zu Problemen. Für gewöhnlich entscheiden sich Kinder automatisch für eine führende Hand. Bei Beidhändern, deren führende Hand sich nur marginal von der unterstützenden Hand unterscheidet, fehlt dementsprechend anfangs die klare Bevorzugung einer Hand.

  • Die meisten Tätigkeiten funktionieren anatomisch jedoch nach dem Schema, dass eine Hand aktiv ist und die andere unterstützend wirkt. Beidhändige Kinder, also Kinder, bei denen die klare Bevorzugung einer Hand kaum bis nicht angeboren ist, bekommen an diesem Punkt häufig Probleme.
  • Da sich die notwendige Arbeitsteilung der Hände nicht so automatisch von selbst ergibt, können sie große Konzentrations- und Lernschwierigkeiten bekommen, die z. B. beim Erlernen vom Schreiben oder Gitarre spielen gravierende Auswirkungen auf sämtliche Bereiche haben können.

Erkennen der eigenen Beidhändigkeit

Im Gegensatz zu der komplizierten Situation bei heranwachsenden Kindern, könnten Sie eigentlich sehr leicht herausfinden, ob bzw. in welchem Maße Sie beidhändig sind.

  • Das eigentliche Problem besteht eher in der Frage, was es bedeuten soll, beidhändig zu sein. Selbst, wenn Sie zu der extrem geringen Zahl von angeborenen Beidhändern gehören würden, hätten Sie im Laufe Ihres Lebens wahrscheinlich eine Hand mehr und spezieller als dominante Hand genutzt und somit trainiert als die andere.
  • Eine angeborene Beidhändigkeit müsste theoretisch vor allem an den entsprechenden Schwierigkeiten als Kind erkennbar sein. Sollte das Kind Probleme bei der Bevorzugung einer Hand haben oder die dominante Hand ständig wechseln, kann es ein Anzeichen sein.
  • Eine andere Frage ist die nach dem eigenen Grad der Beidhändigkeit, also wie groß der Unterschied zwischen beiden Händen ist. Dazu kann man theoretisch jede Tätigkeit versuchen, anders herum bzw. mit der nicht dominanten Hand auszuführen und testen, wie gut das funktioniert.

Beidhändigkeit auch bei Tieren

Händigkeit ist auch bei vielen anderen Säugetieren vorhanden. Bei den Katzen und Affen z. B. scheint das Verhältnis der Links- und Rechtshänder in etwa ausgeglichen zu sein, während bei den Kängurus die Linkshänder in der Mehrheit sind. Schimpansen sind bei einfacheren Tätigkeiten Beidhänder und entwickeln erst bei komplexeren Tätigkeiten das typische anatomische Muster der Bevorzugung einer führenden und einer unterstützenden Hand. Die Beidhändigkeit ist also ein äußerst ambivalentes Feld.


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