Linkshänder und die Gehirnhälften: Wer steuert die linke Hand?

Schematische Darstellung der beiden Gehirnhälften und der über Kreuz gesteuerten Hände
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Die rechte Gehirnhälfte führt die linke Hand, nicht die linke. Warum das so ist, wo bei Linkshändern die Sprache sitzt und weshalb der Mythos vom „rechtshirnigen” Kreativen nicht stimmt, erklärt dieser Beitrag.

Händigkeit beginnt im Kopf, aber anders, als viele denken. Zwischen der bevorzugten Hand und den beiden Gehirnhälften gibt es einen klaren Zusammenhang. Zugleich ranken sich um dieses Thema hartnäckige Halbwahrheiten, die einer Prüfung nicht standhalten.

Über Kreuz: Wie das Gehirn die Hände steuert

Das menschliche Gehirn arbeitet weitgehend gekreuzt. Die Nervenbahnen für die Bewegung wechseln auf dem Weg nach unten die Körperseite. Deshalb steuert die rechte Gehirnhälfte die linke Körperhälfte, und die linke Hälfte führt die rechte Seite. Bei einem Linkshänder ist also für die dominante Hand vor allem die rechte Gehirnhälfte zuständig.

Dieses Prinzip nennt man Lateralisation, also die Vorherrschaft einer Seite für bestimmte Aufgaben. Es betrifft nicht nur die Hände, sondern viele Funktionen. Wichtig ist der Grundsatz, dass beide Hälften eng zusammenarbeiten. Sie tauschen über ein dickes Nervenbündel ständig Informationen aus.

Sitzt die Sprache bei Linkshändern rechts?

Hier hält sich ein Irrtum besonders lange. Viele nehmen an, bei Linkshändern sei einfach alles spiegelverkehrt, die Sprache also rechts statt links. Die Forschung zeigt ein anderes Bild. Bei den meisten Menschen liegt das Sprachzentrum in der linken Gehirnhälfte, und das gilt auch für die große Mehrheit der Linkshänder.

Eine viel beachtete Untersuchung von Stefan Knecht und Kollegen aus dem Jahr 2000 hat das genau vermessen. Eine rechtsseitige Sprachdominanz kommt demnach bei etwa vier Prozent der ausgeprägten Rechtshänder vor, bei rund fünfzehn Prozent der beidhändigen Menschen und bei etwa siebenundzwanzig Prozent der ausgeprägten Linkshänder. Selbst unter starken Linkshändern verarbeiten also rund drei von vier Menschen Sprache überwiegend links. Wie unterschiedlich Händigkeit überhaupt verteilt ist, lesen Sie im Beitrag wie viele Linkshänder es gibt.

Der Mythos vom „rechtshirnigen” Kreativen

Kaum eine Idee ist so beliebt wie die vom logischen linken und kreativen rechten Gehirn. Daraus wird oft geschlossen, Linkshänder seien wegen ihrer rechten Hälfte besonders schöpferisch. Diese Vorstellung ist wissenschaftlich nicht haltbar.

Ein Team der University of Utah hat 2013 die Gehirne von über tausend Menschen ausgewertet und dabei mehr als siebentausend Regionen betrachtet. Das Ergebnis war eindeutig. Niemand nutzt grundsätzlich ein „linkes” oder ein „rechtes” Netzwerk stärker. Einzelne Aufgaben sind zwar seitenbetont, etwa Sprache eher links und Aufmerksamkeit eher rechts. Eine ganze Persönlichkeit lässt sich daraus aber nicht ableiten. Welche Eigenschaften Linkshändern sonst noch zugeschrieben werden und was davon belegt ist, ordnet der Beitrag zu den typischen Eigenschaften von Linkshändern ein.

Was das für Linkshänder bedeutet

Für den Alltag ist die Botschaft entlastend. Linkshändigkeit ist eine normale Variante der Hirnorganisation, kein Zeichen für ein besonderes oder gar besseres Gehirn. Kleine Unterschiede gibt es, etwa eine etwas stärkere Vernetzung zwischen den Sprachregionen, doch sie sagen nichts über Talent oder Charakter aus.

Sinnvoll ist es deshalb, Kinder in ihrer bevorzugten Hand zu bestärken, statt sie umzulenken. Wie sich die dominante Hand früh erkennen lässt, zeigt unser Beitrag zur Händigkeit. Wie Händigkeit überhaupt entsteht, von den Genen bis ins Mutterleib, erklärt der Beitrag wie Händigkeit entsteht. Wer die Unterschiede zur echten Beidhändigkeit verstehen möchte, findet sie in den Hintergründen über Beidhänder.

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Häufige Fragen

Welche Gehirnhälfte steuert die linke Hand?
Die rechte Gehirnhälfte steuert die linke Körperseite und damit die linke Hand. Die Nervenbahnen kreuzen auf dem Weg vom Gehirn zum Körper die Seite. Bei Rechtshändern ist es umgekehrt: Die linke Hälfte führt die rechte Hand.
Sitzt die Sprache bei Linkshändern in der rechten Gehirnhälfte?
Meistens nicht. Auch bei Linkshändern liegt das Sprachzentrum überwiegend links. Nur bei etwa einem Viertel der ausgeprägten Linkshänder ist die rechte Hälfte für Sprache führend, gegenüber rund vier Prozent der Rechtshänder.
Sind Linkshänder eher rechtshirnig und deshalb kreativer?
Nein. Die Vorstellung vom kreativen rechten und logischen linken Gehirn gilt als widerlegt. Einzelne Funktionen sind zwar seitenbetont, aber niemand nutzt eine Hälfte grundsätzlich stärker als die andere.
Bedeutet Linkshändigkeit ein anders gebautes Gehirn?
Die grobe Architektur ist gleich. Studien finden bei Linkshändern lediglich kleine Unterschiede in der Vernetzung der Sprachregionen. Auf Persönlichkeit oder Begabung lässt sich daraus nichts ableiten.

Quellen