Wie entsteht Händigkeit? Von den Genen bis ins Mutterleib

Symbolbild zur Entstehung der Händigkeit: Ungeborenes und DNA-Strang
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Niemand wird durch Erziehung oder Zufall zum Linkshänder. Händigkeit entsteht aus einem Zusammenspiel von Genen und früher Entwicklung, und ihre ersten Spuren zeigen sich schon vor der Geburt. Dieser Beitrag erklärt, was heute darüber bekannt ist.

Warum bevorzugt ein Mensch die linke, ein anderer die rechte Hand? Die Antwort ist vielschichtiger, als eine einfache Regel vermuten ließe. Weder liegt es allein an den Genen, noch entscheidet die Umwelt. Mehrere Ebenen greifen ineinander.

Händigkeit liegt zum Teil in den Genen

Dass Händigkeit erblich ist, zeigt sich in Familien. Ihr Anteil ist aber kleiner als oft gedacht. Studien schätzen die Erblichkeit auf etwa ein Viertel. Ein einzelnes Gen, das über links oder rechts entscheidet, gibt es nicht. Stattdessen wirken viele genetische Varianten mit jeweils kleinem Effekt zusammen.

Eine große Untersuchung aus Oxford von Akira Wiberg und Kollegen fand 2019 mehrere Genregionen, die mit Linkshändigkeit zusammenhängen. Auffällig war, dass einige davon den Aufbau des Zellskeletts betreffen, also die feine Struktur der Nervenzellen. Gene sind aber nicht alles. Selbst eineiige Zwillinge mit identischem Erbgut sind nicht immer beide linkshändig.

Der Anfang liegt im Rückenmark, nicht im Kopf

Lange galt die Annahme, das Gehirn lege die Händigkeit fest. Eine Arbeit von Sebastian Ocklenburg und Judith Schmitz an der Ruhr-Universität Bochum stellte diese Sicht 2017 infrage. Das Team untersuchte die Genaktivität im Rückenmark ungeborener Kinder und fand dort deutliche Unterschiede zwischen der linken und der rechten Seite.

Entscheidend ist der Zeitpunkt. Diese Asymmetrien treten auf, bevor die Bewegungssteuerung des Gehirns überhaupt mit dem Rückenmark verschaltet ist. Damit spricht vieles dafür, dass der Ursprung der Händigkeit im Rückenmark liegt und nicht erst im Gehirn entsteht. Reguliert werden die Unterschiede über epigenetische Schalter, also über die Frage, welche Gene wann abgelesen werden.

Sichtbar schon vor der Geburt

Passend dazu lässt sich eine bevorzugte Hand bereits im Mutterleib beobachten. Ultraschallstudien zeigen, dass Ungeborene früh eine Seite bevorzugen, etwa beim Daumenlutschen. Viele Kinder, die im Mutterleib den linken Daumen wählen, sind später linkshändig. Die Weichen werden also lange vor dem ersten Stift gestellt. Wie sich die dominante Hand nach der Geburt zeigt, beschreibt der Beitrag zur Händigkeit.

Warum es trotzdem keine einfache Formel gibt

Gene, Rückenmark und frühe Entwicklung liefern zusammen ein Bild, aber keine feste Rechnung. Ein Teil bleibt Zufall der Entwicklung, weshalb sich Händigkeit nicht sicher vorhersagen lässt. Sicher ist dagegen, was man nicht tun sollte. Eine erzwungene Umschulung auf die andere Hand geht gegen die Veranlagung und kann schaden. Warum das Gehirn dabei eine Rolle spielt, erklärt der Beitrag Linkshänder und die Gehirnhälften. Wie verbreitet Linkshändigkeit überhaupt ist, zeigt der Beitrag wie viele Linkshänder es gibt. Und wo die Grenze zur echten Beidhändigkeit verläuft, klären die Hintergründe über Beidhänder.

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Häufige Fragen

Ist Linkshändigkeit vererbbar?
Teilweise. Die Erblichkeit liegt bei rund einem Viertel. Es gibt kein einzelnes Linkshänder-Gen, sondern viele kleine genetische Einflüsse. Deshalb sind selbst eineiige Zwillinge nicht immer beide linkshändig.
Wann entscheidet sich die Händigkeit?
Sehr früh. Schon im Mutterleib zeigen Ungeborene eine bevorzugte Hand, etwa beim Daumenlutschen. Die Weichen werden also lange vor dem ersten Schreibversuch gestellt.
Entsteht Händigkeit im Gehirn?
Nicht allein. Eine Studie deutet darauf hin, dass die ersten Asymmetrien im Rückenmark entstehen, bevor die Bewegungssteuerung des Gehirns überhaupt mit dem Rückenmark verbunden ist.
Kann man Händigkeit umlernen?
Die angeborene Veranlagung lässt sich nicht ändern. Eine erzwungene Umschulung auf die andere Hand gilt als schädlich und kann Konzentration, Sprachfluss und Selbstwert belasten. Fachleute raten klar davon ab.

Quellen