Neben Rechts- und Linkshändern gibt es Menschen, bei denen der Unterschied zwischen den Händen klein ausfällt. Sie können viele Tätigkeiten mit beiden Händen ausführen. Was diese Beidhändigkeit ausmacht, wie sie entsteht und warum sie nicht automatisch ein Vorteil ist, erklärt dieser Beitrag.
Der Begriff Beidhändigkeit klingt nach einer Begabung, ist aber vor allem eine Frage des Grades. Wer ihn richtig einordnet, versteht auch besser, warum die Zahl der Beidhänder so schwer zu fassen ist.
Was Händigkeit bedeutet
Händigkeit beschreibt, welche Hand jemand bevorzugt einsetzt. Bei den meisten Tätigkeiten führt eine Hand, während die andere hält und stabilisiert. Die führende Hand heißt dominante Hand und übernimmt die feinmotorischen Aufgaben. Wie diese Dominanz entsteht, behandelt der Beitrag zur Händigkeit ausführlicher.
Beidhändigkeit, fachlich Ambidextrie, meint den Sonderfall, dass beide Hände in hohem Maße gleichwertig genutzt werden. Streng genommen ist dieser Fall sehr selten. Was im Alltag oft als Beidhändigkeit bezeichnet wird, ist meist gemischte Händigkeit, also die Bevorzugung verschiedener Hände für verschiedene Tätigkeiten.
Eine Frage des Grades
Je mehr Feinmotorik eine Handlung verlangt, desto deutlicher tritt eine bevorzugte Hand hervor. Beim groben Greifen erscheinen viele Menschen beidhändig, beim Schreiben oder Fädeln zeigt sich die Dominanz dann doch. Die allermeisten Beidhänder sind im Kern Rechts- oder Linkshänder, bei denen der Abstand zwischen den Händen nur kleiner ist als üblich. Spätestens wo eine Tätigkeit eine Festlegung erzwingt, etwa beim Golfschläger oder beim Erlernen der Gitarre, wird die Seite gewählt.
Eine feste Grenze, ab wann jemand als Beidhänder gilt, gibt es nicht. Genau das macht es praktisch unmöglich, ihren Anteil verlässlich zu schätzen. Die häufig genannten zehn Prozent beziehen sich auf Menschen, die nicht eindeutig rechtshändig sind, und vermischen damit gemischte Händigkeit und Linkshändigkeit.
Wie Beidhändigkeit entsteht
Wie bei der Händigkeit insgesamt wirken Gene und Umwelt zusammen. Ein erheblicher Teil der gemischten Händigkeit entsteht erst durch die Umgebung. Viele Beidhänder sind ursprünglich Linkshänder, deren rechte Hand durch den ständigen Gebrauch in einer rechtshändigen Welt gestärkt wurde. Der Abstand zwischen den Händen schrumpft dadurch, ohne dass die Veranlagung sich ändert. Auch eine Schwächung der eigentlich dominanten Hand, etwa nach einer Verletzung, kann zu mehr Beidhändigkeit führen.
Bringt Beidhändigkeit Vorteile?
Auf den ersten Blick wirkt es nützlich, wenn beide Hände jede Aufgabe übernehmen können. Tatsächlich kann das mehr Flexibilität bedeuten, besonders bei Tätigkeiten, die beide Hände gleich stark fordern. Der oft vermutete Bonus für Intelligenz oder Kreativität ist jedoch nicht belegt.
Bemerkenswert ist sogar ein gegenläufiger Befund. Eine große Untersuchung an rund 8.000 finnischen Kindern, über die das Deutsche Ärzteblatt berichtete, fand bei gemischt händigen Kindern etwa doppelt so häufig Sprach- und Lernschwierigkeiten sowie Anzeichen von ADHS. Die Forscher vermuten als mögliche Ursache eine weniger klar ausgeprägte Dominanz einer Gehirnhälfte. Wichtig ist die Einordnung. Es handelt sich um einen statistischen Zusammenhang, nicht um ein Schicksal. Die meisten gemischt händigen Kinder entwickeln sich völlig unauffällig.
Worauf Eltern achten sollten
Für Kinder folgt daraus vor allem eines. Eine klare dominante Hand ist hilfreich, und sie sollte sich frei entwickeln dürfen. Wenn ein Kind die Hand ständig wechselt oder sich beim Schreibenlernen schwertut, lohnt ein genauer Blick, im Zweifel mit fachlicher Beratung. Ein erzwungener Handwechsel ist dagegen nie sinnvoll. Wie man Kinder dabei richtig begleitet, beschreibt der Ratgeber für Eltern linkshändiger Kinder.
Beidhändigkeit im Tierreich
Händigkeit gibt es nicht nur beim Menschen. Bei Katzen und vielen Affen ist das Verhältnis von Links- und Rechtspfötigkeit ungefähr ausgeglichen, während Kängurus überwiegend die linke Vorderpfote bevorzugen. Schimpansen wirken bei einfachen Handgriffen beidhändig und entwickeln erst bei komplexen Aufgaben eine klare Bevorzugung. Das zeigt, dass eine dominante Seite kein menschlicher Sonderweg ist, sondern im Tierreich weit verbreitet. Weitere überraschende Beobachtungen sammelt der Beitrag mit Fakten über Linkshänder, und wie selten echte Beidhändigkeit ist, ordnet der Text zu der Frage ein, wie viele Linkshänder es gibt.


